Ding, Werk und Zeug
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"Das Zeug, z.B. das Schuhzeug ruht als fertiges auch in sich
wie das bloße Ding, aber es hat nicht wie der Granitblock jenes eigenwüchsige.
Andrerseits zeigt das Zeug eine Verwandtschaft mit dem Kunstwerk, sofern es ein
von Menschenhand Hervorgebrachtes ist. Trotzdem gleicht das Kunstwerk in seinem
selbstgenügsamen Anwesen eher wieder dem eigenwüchsigen und zu nichts
gedrängten bloßen Ding. Dennoch rechnen wir die Werke nicht unter die bloßen
Dinge. Überhaupt sind die Gebrauchsdinge um uns herum die nächsten und eigentlichen
Dinge.
Wählen wir zum Beispiel ein gewöhnliches Zeug: ein Paar
Bauernschuhe. Zu deren Beschreibung bedarf es nicht einmal der Vorlage
wirklicher Stücke dieser Art von Gebrauchszeug. Jedermann kennt sie. Aber da es
doch auf die unmittelbare Beschreibung ankommt, mag es gut sein, die
Veranschaulichung zu erleichtern. Für diese Nachhilfe genügt ein Gemälde von
van Gogh, der solches Schuhzeug mehrmals gemalt hat. Aber was ist da viel zu
sehen? Jedermann weiß was zum Schuh gehört. Wenn es nicht gerade Holz oder
Bastschuhe sind, finden sich da eine Sohle aus Leder und Oberleder, beide
zusammengefügt durch Nähte und Nägel. Solches Zeug dient zur Fußbekleidung.
entsprechend der Dienlichkeit, ob zur Feldarbeit oder zum Tanz, sind nur Stoff
und Form anders. Diese wohl richtigen Angaben erläutern nur, was wir schon
wissen. Das Zeugsein des Zeuges besteht in seiner Dienlichkeit. Aber wie steht
es mit dieser selbst? Fassen wir mit ihr schon das Zeughafte des Zeuges? Müssen wir nicht, damit dies gelingt, das
dienliche Zeug in seinem Dienst aufsuchen? Die Bäuerin auf dem Acker trägt
die Schuhe. Hier erst sind sie, was sie sind. Sie sind dies um so echter, je
weniger die Bäuerin bei der Arbeit an die Schuhe denkt oder gar sie anschaut oder auch
nur spürt. Sie steht und geht in ihnen. So dienen die Schuhe wirklich. an
diesem Vorgang des Zeuggebrauchs muß uns das Zeughafte wirklich begegnen.
Solange wir uns dagegen nur so im allgemeinen ein Paar Schuhe vergegenwärtigen
oder gar im Bilde die
bloß dastehenden leeren, ungebrauchten Schuhe ansehen, werden wir nie erfahren,
was das Zeugsein des Zeuges in Wahrheit ist. Nach dem Gemälde von van Gogh
können wir nicht einmal feststellen, wo diese Schuhe stehen. Um dieses Paar Bauernschuhe herum ist nichts,
wozu und wohin sie gehören könnten, nur ein unbestimmter Raum. Nicht einmal
Erdklumpen von der Ackerscholle oder vom Feldweg kleben daran, was doch
wenigstens auf ihre Verwendung hinweisen könnte. Ein Paar Bauernschuhe und
nichts weiter. Und dennoch." |
Zurück zur Hauptseite. Diese Seite wurde erstellt von HPH. Zuletzt aktualisiert am 07. Oktober 2007.